Der Schlüssel zu innerer Zufriedenheit

Immer wieder, in Gesprächen, Coachings, Selbsthilfegruppen oder in Sozialen Medien fällt mir auf, wie sehr unsere Mentalität von Perfektionismus, Vergleichen und Bewertungen durchdrungen ist.
So oft sind wir selbst unser stärkster Kritiker. Er sitzt in unserem Inneren. Wir wollen höher hinaus, besser sein als andere (was immer das auch bedeuten mag), dünner sein oder ein bestimmtes Gewicht haben, muskulöser sein, disziplinierter sein, mehr Geld verdienen, das größere Haus besitzen, und und und…. Wir hecheln nach Anerkennung, hetzen uns ab und gönnen uns keine Ruhe. Wir wollen bloß keine Fehler machen und makellos sein. Doch im Vergleich mit anderen schneiden wir meist schlechter ab. Wir sind unzufrieden, wollen uns immer weiter optimieren und treiben uns zu Höchstleistungen an. Doch was haben wir davon? Macht uns das glücklich? Macht uns diese Art und Weise zu leben zufrieden? Wir vergleichen uns ständig und suchen etwas im Außen, was wir jedoch letztendlich nur tief in uns drinnen finden können. Wir verurteilen uns selbst, wenn wir einen Fehler machen. Wir beschimpfen uns, wenn etwas schiefläuft. Wir haben Wünsche und meinen, wenn unser Wunsch erfüllt würde, dann wären wir glücklich. Doch sobald ein Wunsch erfüllt ist, dann melden sich andere Wünsche und die Erfüllung hinterlässt einen schalen Beigeschmack.  Wir haben uns zum Beispiel sehnlichst gewünscht eine bestimmte Prüfung zu meistern. Doch wenn wir diese dann erfolgreich bestanden haben, sind wir vielleicht für einen Augenblick glücklich, aber dieses Gefühl verschwindet nach ein paar Wochen.

Lange Zeit bin auch ich durchs Leben gerannt und habe das Glück im Außen gesucht oder in Form von Leistungen, Titeln, Noten, Nachweisen usw. Zunächst dachte ich zum Beispiel, wenn ich erst das Studium in der Tasche habe, dann bin ich zufrieden. Doch das war ganz und gar nicht so. Auch die Promotion erfüllt mich nicht, sondern ließ mich nur noch unglücklicher und frustrierter werden. Es war nicht der Job, es war nicht das gute Geld, es war nicht die Karriere. Nichts davon erfüllt mich, machte mich glücklich oder zufrieden. Ich war insgesamt unglücklich und seltsamerweise auch nicht zufrieden mit mir selbst. Von außen war das überhaupt nicht nachvollziehbar. Das Studium viel mir leicht, ich hatte immer relativ schnell gut bezahlte Jobs, konnte mir alles leisten, was ich brauchte und dennoch war ich nicht zufrieden. Ich hatte immer das Gefühl, ich müsse etwas leisten um Anerkennung zu bekommen und mich gut zu fühlen. Doch dieses sich gut fühlen blieb irgendwie aus, egal was ich tat. Es war vielleicht ein kurzer Moment des Erfolgs, der mich kurzeitig glücklich stimmte, z.B. im Studium durch eine gute Note oder im Job durch gute Leistungen. Doch dieses kurze Hochgefühl verblasste meist nach schneller Zeit und es stellte sich bald wieder ein Gefühl der Unzufriedenheit, der Unzulänglichkeit, der Sinnlosigkeit ein. Ich war immer im Außen auf der Suche nach Anerkennung und Erfüllung und habe mich dabei immer mehr selbst verloren.

Hinter diesem Streben nach Anerkennung oder dem Zwang perfekt zu sein und ständig etwas zu leisten, steckt eine tiefe Angst vor der Wertlosigkeit. Viele fühlen sich nur wertvoll, wenn sie keine Fehler machen, wenn sie möglichst viel leisten, wenn sie möglichst diszipliniert sind oder möglichst schlank etc.
Doch bin ich tatsächlich nur wertvoll, wenn ich etwas leiste? Bin ich nur dann wertvoll, wenn ich keine Fehler mache oder wenn ich ein bestimmtes Gewicht habe?
Hinter dieser Angst vor der Wertlosigkeit stecken meist noch viel mehr Aspekte. Vielleicht ist es die Angst vor dem Urteil der Menschen? Oder vielleicht hast du ein Idealbild von dir selbst, ohne dass du dir nicht vorstellen kannst zu leben? Doch macht dich dieses Idealbild glücklich? Stell dir lieber einmal die Frage, warum du genau dieses Idealbild von dir vor Augen hast. Wenn es dich nicht glücklich macht, warum trennst du dich dann nicht einfach von dieser Illusion? Was ist denn eigentlich deine tiefste Sehnsucht, wenn du fehlerfrei sein möchtest? Oder anders: was geschieht denn, wenn du in deinen Augen einen Fehler machen solltest, was ginge dann zu Bruch? Im Grunde doch nur deine eigenen Illusionen oder übertriebene Erwartungen der anderen. Aber musst du denn deine Illusionen, dein Idealbild erfüllen? Und wer sagt denn, dass du immer die Erwartungen der anderen erfüllen musst? Letztlich ist es der eigene Stolz, der dieses Idealbild aufrecht erhalt und diese Versagensangst bewirkt.

Der einzige Mensch, der dein Leben gut finden muss, bist du selbst.

Wir haben alle unsere Fehler und Schwächen. Doch anstatt sie zu verteufeln oder als Hindernis zu sehen, sollten wir sie viel lieber annehmen und als Teil unserer Einzigartigkeit sehen. Jeder darf Fehler und Schwächen haben, sie sind Ausdruck unserer Individualität. Oftmals fixieren wir uns so sehr auf unsere angeblichen Makel, dass wir die eigenen Talente und Fähigkeiten nicht mehr sehen.  Es ist so schade wie wir uns oft selbst im Wege stehen, uns klein halten und begrenzen. Wir bestrafen uns selbst, wenn wir unseren eigenen Forderungen nicht gerecht werden.  Wir suchen Anerkennung im Außen, obwohl der Schlüssel zur Zufriedenheit und Anerkennung in uns selbst zu finden ist.

Babys und Kinder haben noch diese Unbeschwertheit. Sie vergleichen nicht, sie werten nicht, sie sind einfach da. Sie machen die Erfahrung, dass sie nichts leisten müssen, um in den Arm genommen, in den Schlaf geschaukelt, gefüttert, ja um bedingungslos geliebt und angenommen zu werden.  Dieses Gefühl und diese Erfahrung geht uns leider oft im Laufe des Lebens verloren. Dabei trifft es auch auf uns Erwachsene zu. Wir sind nicht erst dann wertvoll, wenn wir etwas leisten oder etwas tun, sondern einfach nur indem wir sind wie wir sind.

Selbstliebe beginnt, wenn du vergisst,
was andere möglicherweise von dir denken könnten.

Versöhne dich mit dir selbst, stifte Frieden mit dir. Akzeptiere dich so wie du bist und gehe zärtlich mit dir um. Die Ursache der Unruhe und Unzufriedenheit liegt so häufig darin, dass wir alles was wir tun bewerten.  Und meistens entspricht dies eben nicht der Messlatte unserer Wertmaßstäbe. So sind wir unzufrieden mit uns und der Welt und werden unglücklich. Doch mache dir bewusst, dass du selbst es bist, der diese Messlatte definiert und aufrecht hält. Letztendlich sind es Deine Gedanken die diese Messlatte definieren bzw. die deine Bewertungen hervorrufen. Doch Gedanken sind veränderbar, darin liegt der Schlüssel zum Glück.

Sobald du anfängst, deine Gedanken bewusst zu wählen,
kannst du dein Leben verändern!

Wenn wir bewusst wahrnehmen, was ist, ohne es zu bewerten, dann können wir es so lassen, ohne es verändern zu müssen. Dann können wir so sein, wie wir sind, ohne dabei ein schlechtes Gefühl zu haben. Der Drang, sich selbst immer weiter zu optimieren und ständig etwas leisten zu müssen wird somit immer kleiner. Wenn wir die bewertenden Gedanken und den eigenen Stolz zur Seite schieben, dann erkennen wir uns selbst und unsere Vollkommenheit. Diesen Zustand finden wir also nicht im Außen, sondern ganz tief drinnen in uns selbst.

Doch wie schafft man es denn nun, diese Bewertungen sein zu lassen und sich von ihnen zu befreien? Leider klappt es nicht so einfach all die Bewertungen einfach so über Nacht über Board zu kippen, der innere Kritiker meldet sich viel zu schnell wieder zurück. Diese Gedanken haben uns vermutlich über Jahre hinweg begleitet und sind quasi zur Routine geworden. Man sich dies wie breite Trampelpfade in unserem Gehirn vorstellen.
Wir können jedoch lernen, diese Trampelpfade seltener zu gehen und somit neue Trampelpfade also neue Gedanken zu schaffen. Mit jedem Mal, wenn wir einen anderen Gedanken denken, als den alten destruktiven, dann wird der alte Trampelpfad immer kleiner und es wird nach und immer einfacher sich vom alten zu befreien. Im Folgenden möchte ich dir ein paar Tipps bzw. meine Erfahrungen dazu wiedergeben, wie du es schaffen kannst, mehr Bewusstsein in deine Gedanken zu bekommen sowie alte destruktive Gedanken loszulassen.

Zunächst ist es wichtig, diese bewertenden Gedanken überhaupt erst einmal wahrzunehmen. Dabei spielen Achtsamkeit und Meditation eine große Rolle. Durch verschiedene Achtsamkeitstechniken und Meditation schaffen wir mehr Bewusstsein für unsere Gedanken, auch im Alltag. Durch Achtsamkeit kann können wir uns immer häufiger auch im Alltag dabei ertappen, wenn wir in eine bewertende Haltung kommen. Anleitungen zu Achtsamkeitstechniken findest du mittlerweile einige im Internet, deshalb möchte ich hier nicht näher darauf eingehen. Ich kann auch nur jedem nahelegen einmal einen MBSR (Mindul Based Stress Reduction) Kurs zu machen. Dieser geht üblicherweise über 8 Wochen und man lernt dabei die wichtigesten Achtsamkeitstechniken tiefer kennen.
Egal wofür du dich jedoch entscheidest, wichtig ist meines Erachtens, dass man mit Neugier und Geduld bei der Sache bleibt und Achtsamkeit täglich übt. Nur so gelingt es langfristig ein Bewusstsein für die eigenen Gedanken aufzubauen und diese auch im Alltag besser wahrzunehmen.
Im nächsten Schritt kann man lernen, diesen (vor allem destruktiven) Gedanken weniger bzw. keine Bedeutung mehr zuzuschreiben. Eine gute Technik dafür, die auch ich schon lange und immer wieder praktiziere, ist die Atemmeditation. Bei der Atemmeditation setzt zu dich möglichst aufrecht an einen Ort, wo du während der Meditation ungestört bist. Wie der Name schon sagt, spielt der Atem eine wichtige Rolle. Er ist sozusagen dein Anker. Konzentriere dich also bei der Meditation auf deinen Atem. Sobald du merkst, dass Gedanken aufkommen, dann nimm diese wahr, aber halte nicht an ihnen fest und komme immer wieder zurück zum Atem. Es kann auch helfen sich diese aufkommenden Gedanken als Wolken vorzustellen, die kommen und dann wieder gehen. Du kannst diese Meditation so oft und so lange machen, wie du willst, möglichst jedoch täglich. Für den Einstieg eignen sich zum Beispiel 10 Minuten, die du dann nach und nach steigern kannst, wenn du möchtest.

Für mich auf meinem Weg, war diese Erkenntnis, das es alleine meine Gedanken sind, die bewirken wie ich mich sehe bzw. bewerte und damit fühle ein wahrer Game-Changer. Wir sind der Schöpfer unserer eigenen Realitität. Wenn uns etwas im Leben oder an uns nicht gefällt, dann sind es meist unsere eigenen Gedanken und nicht unbedingt die äußeren Umstände die diese Unzufriedenheit bewirken. Diese Erkenntnis ist der Schlüssel zum Glück und zu innerem Frieden. Auch du kannst in jedem Moment deine Gedanken bewusst wählen und damit dein Leben verändern. Wie sagte bereits Buddha so schön:

Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht aus unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.

 

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