Mit Achtsamkeit zur inneren Freiheit

Die Praxis der Achtsamkeit kann uns zu innerer Freiheit führen. Doch was ist eigentlich Achtsamkeit und wie erlangt man sie? Und was bedeutet überhaupt innere Freiheit? Dies alles erfährst du im folgenden Blogbeitrag.

Allein schon in der Überschrift stecken zwei Wörter, die sehr mächtig und nicht so einfach zu erklären sind. Was innere Freiheit eigentlich bedeutet, darüber habe ich mir oft und lange den Kopf zerbrochen. Lange Zeit habe ich geglaubt, ich bin frei, wenn ich von diesem oder jenem unabhängig bin. Beispielsweise wenn ich mein eigenes Geld verdiene und frei darüber entscheiden kann, wofür und wie ich es ausgeben. Ich habe Freiheit lange Zeit mit Unabhängigkeit verwechselt. Doch komplett unabhängig sind wir in Wahrheit nie. Wir Menschen sind alle eingebettet in ein System. Wir leben in einer Gemeinschaft mit anderen Menschen und unserer Umwelt. Wir sind bis zu einem gewissen Punkt immer abhängig von äußeren Faktoren und Umgebungsbedingung. Mir müssen uns in diesem System zurechtfinden und zumindest ein Stück weit daran anpassen. Freiheit von etwas, ist also nicht wirklich Freiheit. Denn absolute Freiheit von etwas gibt es nicht. Selbst wenn du glaubst, du bist komplett frei von etwas, dann bist du immer noch abhängig von deinen inneren Bedürfnissen, von deinen Ängsten und Abneigungen.  So wird jeder Mensch unbewusst und voll automatisch von seinem inneren Ego gesteuert, das uns ständig einflüstert, was es will und was es nicht will und vor allem auch wovor es Angst hat. Wir glauben zwar, dass wir es sind, die die Entscheidungen treffen. Tatsächlich sind wir aber viel eher eine Marionette und die Fäden zieht das Ego. So war es auch lange Zeit bei mir. Lange Zeit bin ich quasi wie auf Autopilot durchs Leben gerannt. Habe nicht nach links und nicht nach rechts geschaut, sondern bin einfach mitgelaufen. Ich bin lange Zeit den Weg des geringsten Widerstands gegangen ohne etwas zu hinterfragen. Ohne Innezuhalten und in mich hinein zu spüren. Doch innerlich frei und bei mir angekommen, habe ich mich dadurch nie gefühlt. Immer hatte ich im Außen nach der Lösung und der Antwort gesucht. Bis ich irgendwann festgestellt habe, dass der Schlüssel im Inneren und nur bei mir selbst liegt. Auf der Suche nach der Antwort, was denn nun eigentlich innere Freiheit bedeutet und wie man sie erlangen kann, bin ich letztendlich zu folgendem Ergebnis gekommen:

Wahre innere Freiheit bedeutet für mich ganz einfach „ich selbst zu sein“. Und ich selbst zu sein, bedeutet für mich, dass ich in jedem Moment dazu in der Lage bin Ja zu sagen, wenn wirklich ein Ja nötig ist, nein zu sagen, wenn wirklich ein nein nötig ist und gar nichts zu sagen, wenn es gar nichts zu sagen braucht. Frei bin ich dann, wenn ich mir im Hier und Jetzt dieser Möglichkeiten bewusst bin und im Einklang mit dem was gerade ist, entscheide. Ohne bereits sorgenvoll in die Zukunft zu schauen oder in die Vergangenheit abzuschweifen.

Die beste Weise, sich um die Zukunft zu kümmern, besteht darin, sich sorgsam der Gegenwart zuzuwenden.
Thich Nhat Hanh

Freiheit können wir also nur im gegenwärtigen Moment erfahren, nie in der Zukunft oder der Vergangenheit. Freiheit bedeutet, dass wir etwas ganz bewusst tun, sagen oder entscheiden und dabei im Hier und Jetzt bleiben. Aber wie erkenne ich denn nun, wann ich was wirklich sagen möchte und wann ich was wirklich brauche? Wie werde ich eigentlich ich selbst? Die Antwort ist, dass jeder von uns es bereits ist. Jeder von uns ist bereits er selbst, wir müssen es bloß wiederentdecken und an die Oberfläche bringen. Und hier kommt nun die Achtsamkeit ist Spiel. Achtsamkeit ist ein bestimmter Bewusstseinszustand, eine Form der Aufmerksamkeit. Achtsam zu sein bedeutet, jede innere und äußere Erfahrung im gegenwärtigen Moment aufzunehmen, ohne diese zu bewerten. Achtsam zu sein, bedeutet im Hier und Jetzt vollkommen präsent zu sein. Je öfter wir dieses wertfreie Beobachten praktizieren, umso besser können wir uns verstehen. Achtsamkeit ermöglicht es uns, innere Widerstände, unbewusst ablaufende Reaktionen und negative Glaubenssätze aufzuspüren. Durch Achtsamkeit finden wir Zugang zu unseren inneren Ressourcen und werden insgesamt ausgeglichener. Dadurch kommen wir in die Lage, uns weiterzuentwickeln und bewusster sowie im Einklang mit unseren wahren Bedürfnissen und Werten zu handeln. Achtsamkeit lässt uns erkennen, wer wir wirklich sind.

Wenn wir nicht ganz wir selbst sind, wahrhaft im gegenwärtigen Augenblick, verpassen wir alles.
Thich Nhat Hanh

Aber wie können wir nun diese Achtsamkeit praktizieren? Die Antwort ist: immer und überall, du brauchst nur dich dazu. Die bekannteste Methode um Achtsamkeit zu praktizieren ist sicherlich die Meditation. Auch ich habe über das Meditieren den Einstieg in die Achtsamkeitspraxis gefunden und möchte meine tägliche Morgenmeditation mittlerweile nicht mehr missen. Doch Achtsamkeit lässt sich wunderbar in den Alltag integrieren. Im Folgenden werde ich dir meine Lieblingstechniken vorstellen, um Achtsamkeit im Alltag zu leben:

Meditation

Bei der Meditation geht es nicht um den Versuch, irgendwo hinzugelangen. Es geht darum, dass wir uns selbst erlauben, genau dort zu sein, wo wir sind, und genau so zu sein, wie wir sind, und desgleichen der Welt zu erlauben, genau so zu sein, wie sie in diesem Augenblick ist.
Jon Kabat-Zinn

Es gibt viele unterschiedliche Meditationsformen und Richtungen. Ich möchte hier gar nicht alle aufzählen (ich würde garantiert welche vergessen, bzw. kenne sicher gar nicht alle), sondern eine Meditationsart für den Einstieg empfehlen. Wenn ihr mehr über Meditation und die verschiedenen Arten wissen wollt, findet ihr darüber mittlerweile zahlreiche Anleitungen und Beschreibungen im Internet. Ich habe damals mit der Atemmeditation angefangen zu meditieren. Dabei setzt man sich bequem und aufrecht auf ein Meditationskissen oder einen Stuhl, schließt die Augen und konzentriert sich auf das Ein- und Ausatmen. Sobald man merkt, dass die Gedanken abschweifen, bringt man diese einfach wieder zurück zum Atem, ohne zu bewerten oder zu urteilen. Wenn du noch nie meditiert hast, dann fange am besten bei 5-10 Minuten an und steigere dich langsam auf 20-30 Minuten. Zu welcher Tageszeit du meditierst, ist eigentlich egal. Du kannst direkt morgens nach dem Aufstehen meditieren, in der Mittagspause oder am Abend. So wie es sich gut für dich anfühlt und wie es am besten in deinen Alltag passt. Wichtig ist nur, dass du in dieser Zeit ungestört bist.

Achtsamkeit im Alltag

Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.
Pearl S. Bucket

Achtsam gehen oder achtsam fahren

Bereits am Morgen auf dem Weg zur Arbeit kannst du Achtsamkeit in deinen Alltag integrieren. Vielleicht hast du ja beispielsweise so wie ich das Glück, dass du zu Fuß zur Arbeit spazieren kannst? Dann nimm dir doch einmal vor, auf diesem Weg bewusst deine Umgebung wahrzunehmen. Was kannst du sehen? Was kannst du hören? Vielleicht hörst du Vogelgezwitscher oder lärmenden Verkehr? Scheint die Sonne oder kannst du Wolken am Himmel sehen? Und was riechst du? Spür einmal auch wie deine Füße den Boden berühren.
So kann dein bisher vielleicht langweiliger Arbeitsweg plötzlich sehr interessant und voller neuer Eindrücke werden. Und vor allem bist du dadurch mit deinen Gedanken im Hier und Jetzt und nicht bereits bei den ganzen Aufgaben, die heute noch anstehen oder bei all den Dingen, die du gestern vielleicht vergessen hast zu tun.  Das gleiche kannst du natürlich auch machen, wenn du mit dem Auto oder mit der Bahn zur Arbeit fährst. Nimm deine Umgebung bewusst und mit allen Sinnen wahr. Entdecke, was es in diesem Moment neues zu entdecken gibt.

Achtsam Duschen

Wie wäre es einfach mal damit zu duschen uns sonst nichts dabei zu tun? Du meinst, das machst du bereits? Dann achte beim nächsten Duschen mal ganz genau auf deine Gedanken. Mich würde es wundern, wenn du nicht (so wie ich damals) feststellst, dass du mit deinen Gedanken überall aber bloß nicht in der Dusche bist. Du denkst vielleicht daran, was du heute noch einkaufen musst, dass du später noch Wäsche waschen solltest oder du denkst vielleicht an eine Aufgabe auf der Arbeit….
Wenn das bei dir auch der Fall ist, dann versuch doch einfach mal, deine Gedanken bewusst auf das Erlebnis der Dusche zu richten. Wie fühlt sich das Wasser auf deinem Körper an? Ist es warm oder kalt? Kannst du das Wasser plätschern hören? Achte beim Eincremen mal bewusst auf deine Bewegungen und Berührungen. Wie riecht die Seife oder das Shampoo? Wie fühlt sich sie Seife auf deiner Haut an?

Achtsam Zähneputzen

Ich finde Zähneputzen eignet sich auch wunderbar um sich in Achtsamkeit zu üben. Man kann morgens damit bereits achtsam in den Tag starten und abends den Tag achtsam abschließen. Auch hier geht wieder darum, alle Empfindungen und Eindrücke während des Zähneputzens wertfrei wahrzunehmen.  Wenn es dir anfangs schwerfällt, mit deinen Gedanken nicht abzuschweifen, kannst du auch einfach mal mit der anderen Hand als sonst üblich die Zähne putzen. Du wirst merken, dass du dadurch ganz automatisch bei der Sache bleibst.

Achtsam warten

Wer kennt das nicht. Man möchte auf dem Weg von der Arbeit nach Hause noch kurz im Supermarkt was einkaufen. Nur leider warst du mit dieser Idee nicht alleine und so findest du dich am Ende einer langen Schlange vor der Kasse wieder. Doch anstatt entnervt auf deine Uhr zu schauen oder dein Handy auf neue Nachrichten zu checken, kannst du diese Zeit wunderbar nutzen um den Moment achtsam wahrzunehmen. Nimm einmal wahr, welche Menschen um dich herumstehen. Wie sehen sie aus? Was kaufen sie ein? Welche Geräusche kannst du hören? Es gibt sicherlich so viel um dich herum zu entdecken. Du wirst merken, dadurch vergeht die Zeit in der Schlange wie im Fluge und du bleibst viel gelassener.

Ich habe dir hier nur ein paar meiner Lieblingsmöglichkeiten gezeigt, wie man Achtsamkeit in den Alltag integrieren kann. Im Prinzip kannst du bei all deinen Alltagsverrichtungen achtsam sein: beim Putzen, beim Essen, beim Wäsche aufhängen, beim Einkaufen usw.

Gerade wenn du dich noch am Anfang deiner Achtsamkeitspraxis befindest, finde ich es wichtig, sich nicht zu überfordern. Versuche erstmal dich auf ein oder zwei Tätigkeiten zu konzentrieren, die du in den nächsten Wochen achtsam ausführen möchtest. Und wenn du mit dem meditieren anfangen möchtest, dann steige langsam mit kurzen Meditationen ein. Wenn es dir sehr schwer fällt, bei der Sache zu bleiben, dann versuche es anfangs nur mit fünf Minuten. Aber mache es täglich und am besten immer zu gleichen Zeit. Lasse dich bei all den Übungen nicht frustrieren, wenn du merkst, dass du mit deinen Gedanken immer wieder abschweifst. Das ist völlig normal. Bringe dann einfach immer wieder deine Gedanken zum gegenwärtigen Moment zurück.

Je öfters du dich in Achtsamkeit übst, sei es durch Meditation oder achtsame Alltagsverrichtungen, umso bewusster wirst du dir deiner Gefühle und Gedanken. Dies wird sich letztendlich auch in deinen Entscheidungen und Handlungen bemerkbar machen. Dir wird es viel öfters gelingen, dem Autopiloten zu entkommen und bei dir zu sein. Du wirst dich ausgeglichener fühlen und diese innere Freiheit in dir spüren, von der ich anfangs gesprochen habe.

Doch das alles geht nicht von heute auf morgen sondern ist ein Prozess. Und es funktioniert auch nur, wenn man sich wirklich in Achtsamkeit übt. Achtsamkeit lässt sich nicht studieren oder durch Lesen aneignen. Man muss die Achtsamkeit leben.  Und achtsam zu sein, funktioniert auch nur ohne Ziel oder Intention dahinter. Denn sobald du mit Meditation oder einer anderen Achtsamkeitsübung ein Ziel verfolgst, bist du schon wieder in der Zukunft und nicht mehr in der Gegenwart. Die Achtsamkeitspraxis verlangt also eigentlich „nur“ von uns präsent zu sein, voll und ganz im gegenwärtigen Moment.

Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit. Wenn sie etwas Schmerzvolles berührt, wandelt sie es um und heilt es.
Thich Nhat Hanh

Welche Erfahrungen hast du bereits mit Achtsamkeit gemacht? Lass uns gerne in den Kommentaren daran teilhaben.

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